Archiv für Mai 2010

Stippvisite in Hamburg

Die Stippvisite von Tatort Stadion 2 in Hamburg war ein schöner Erfolg. Beim Vereinsfest zum 100jährigen Bestehen des FC St. Pauli besuchten einige Hundert Menschen die Ausstellung.
Im Zelt auf dem Vereinsfest
Am Wochenende zuvor haben wir ein paar Tafeln auf dem „Antira“, dem antirassistischen Einladungsturnier in Hamburg, gezeigt. In einigen Tagen geht die Ausstellung nach Leipzig.

Ein erster Rückblick

Am 29. April um kurz nach 19 Uhr verließen die letzten Besucherinnen und Besucher von Tatort Stadion 2 in Bremen die Untere Rathaushalle. Zwei Stunden später lag in der selbst vom Straßenstaub befreiten Halle nur noch die in ihre Einzelteile zerlegte Schaufensterpuppe, die zwei Wochen als Trägerin von neonazitypischer Mode dienen musste. Der ganze Rest – zwei Dutzend Schautafeln und zwei Kisten Material von der Reichskriegsflagge über rosa Fanwear bis zu Stickern, Shirts, Buttons und Postern antirassitischer Intiativen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum – wartet nun in einem dunkeln Bremer Keller auf den Abtransport nach Hamburg, wo die Ausstellung 23. Mai eine kurze Station beim Fanfest des FC St. Pauli machen wird.

Für uns hier in Bremen ist nun also Zeit, ein erstes Resümee zur Ausstellung zu ziehen. Zunächst ganz allgemein: Es ist eine wirklich tolle Ausstellung geworden. Zugegeben: Dass wir begeistert waren, als wir unsere Arbeit das erste Mal außerhalb der nicht nur räumlich begrenzten Möglichkeiten eines Computerbildschirms sehen durften, lässt sich sicher auch auf emotionale Fehleinschätzungen zurückführen. Wir dürfen uns aber darauf berufen, dass auch andere, nüchterne BesucherInnen sich positiv bis euphorisch äußerten: über Bilder von Fanaktionen gegen Diskriminierung, Informationen über Neonaziaktivitäten und deutliche Worte gegen blauäugigen Deutschland-Taumel. Die einen, die sich schon etwas länger mit der Thematik beschäftigen, lobten die umfassende Darstellung, andere wurden erstmals auf das Feld aufmerksam. Ein Besucher aus Australien schrieb in seinem Gästebucheintrag, er freue sich, dass Rassimus hier so konsequent angesprochen wird.

Womit wir beim Speziellen der Ausstellung in Bremen wären. Mit der Unteren Rathaushalle hatten wir von der Stadt einen zentralen und hochfrequentierten Veranstaltungsort zur Verfügung gestellt bekommen. So fanden sich in der Ausstellung nicht nur interessierte Fans oder gegen Diskriminierung aktive Antifas, SozialarbeiterInnen und LehrerInnen, sondern auch jede Menge Laufkundschaft von der Bremen-Touristin bis zum Angestellten in einem der zahlreichen umliegenden Läden. Jeden Tag sahen so um die 300 Menschen die Ausstellung. Noch mehr waren es, als der 1. FC Köln gegen den SV Werder spielte und zahlreiche Kölner Fans – unter ihnen knapp 40 Jugendlichen der U18-Fahrt des Kölner Fanprojekts – die günstige Gelegenheit nutzten, Tatort Stadion 2 jetzt schon zu sehen.

Jeweils knapp 100 Menschen fanden sich an den beiden Montagabenden ein. Am 19. April referierten Alex Feuerherdt und Enno Wöhler über Antisemitimus und Fußball. Insbesondere gingen sie der Frage nach, wie Judenhass sich gerade beim Fußball immer wieder Bahn bricht. Am 26. April, dem 65. Jahrestag der Befreiung Bremens durch die britische Armee, hielt Heinz-Gerd Hofschen einen Vortrag zu ebendiesem Anlass. Fast allen Anwesenden war die Geschichte der Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus (die auch in diesem Buch nachzulesen ist) völlig neu und warf ein neues Licht auf jüngere Vergangenheit dieser Stadt.

Nochmals möchten wir uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die diese Ausstellung möglich gemacht haben. Denen, die für Tafeln gespendet haben, die uns Material und Hinweise schickten, die geschrieben und layoutet haben. In Bremen noch einmal ganz besonderer Dank allen unbezahlten Helferinnen und Helfern von der AG Werderfans gegen Diskriminierung, dem Fanprojekt, dem Lidice-Haus, der Stadt Bremen – und natürlich allen Besucherinnen und Besuchern!