Archiv für Februar 2011

Fußball und Kommerzialisierung

Kommerzialisierung im Fußball ist ein Kernthema der politischen Fußballszene in Deutschland und auch seit Jahren einer der Schwerpunkte von BAFF. Schon in den 1980er Jahren sprachen Wilhelm Heitmeyer und Jörg-Ingo Peter in ihrer Studie „Jugendliche Fußballfans“ von einer Entwertung, die die Fans im Zuge der zunehmenden Kapitalisierung des Fußballs erführen und die zu Identitätsbeschädigungen und damit verbundenen problematischen Verarbeitungsweisen führen könne. Diesen Ansatz nahmen die Bielefelder Veranstalter als Ausgangspunkt und organisierten in Kooperation mit dem Arminia Supporters Club (ASC) und der SPD Bielefeld eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kommerzialisierung im Fußball“. Am gestrigen Montag kamen rund 110 Personen auf die Bielefelder Alm zur Diskussionsrunde, die vom Autor und Journalisten Volker Backes moderiert wurde. Neben Dirk Fleischer (Fan von Arminia Bielefeld) und Christian Bieberstein (Unsere Kurve) saßen Thomas Schneider (DFL), Wolfgang Brinkmann (Präsident von Arminia Bielefeld) sowie Petra Kammerevert (MdEP der SPD) auf dem Podium.
Immer wieder rückten in der Diskussion das europaweite Lizenzierungsverfahren sowie das finanzielle Fairplay in den Fokus. Außerdem wurde unter Einbezug des Publikums der Verteilungsschlüssel bei den Fernsehgeldern kontrovers diskutiert – gerade an dieser Stelle gingen die Meinungen der Beteiligten auseinander. In diesem Zusammenhang wurde auch die derzeitige Situation der finanziell und sportlich angeschlagenen Arminia aufgegriffen, die sehr viele der Anwesenden bewegt. Nach zwei Stunden endete eine Veranstaltung, die sicher nicht zum Ziel hatte, den Königsweg zu finden, aber aufgrund der bunten Mischung der Gäste den einen oder anderen Denkanstoß geben konnte.
Am Donnerstag findet dann die letzte Begleitveranstaltung der Ausstellung in Bielefeld statt, wenn ab 19 Uhr der Konflikt zwischen Polizei und Fans Gegenstand einer Podiumsdiskussion sein wird (Gäste sind u. a. Andreas Kornfeld von der Polizei Bielefeld sowie Dr. Martina Schreiber von der Ruhr-Universität Bochum).
Eine Abschlussparty zur Bielefelder Station gibt es am Samstag, den 26.02. ab 21 Uhr in der Kneipe Desperado (Ecke Arndtstr./Große-Kurfürsten-Str.).

Noch mehr Veranstaltungen in Bielefeld

Bei der gestrigen Veranstaltung zu Rechtsextremismus, Patriotismus und Nationalismus kamen ca. 70 Personen auf die Alm und erlebten einen abwechslungsreichen, teilweise kontroversen Abend. Den Auftakt machte der Diplom-Sozialpädagoge Jan Raabe vom Verein „Argumente und Kultur gegen rechts e. V.“, der über die Methoden und Strukturen der rechten Szene berichtete und dabei auch den Fußball nicht außen vor ließ. Seine besonderen Kenntnisse über die Entwicklungen in Ostwestfalen-Lippe waren für die zahlreich anwesenden lokalen Akteure von hervorgehobener Bedeutung. Auch wenn Raabe selbst keine Unterwanderung des Profifußballs in Bielefeld feststellen kann, sieht er dennoch den Fußball mit seinen Erlebnis- und Gesellungsformen als ideales Einfallstor an.
Fansoziologe Dieter Bott von der Fachhochschule Düsseldorf holte im zweiten Vortrag über „Patriotismus und Nationalismus in der Bild-Zeitung“ gewohnt weit aus. Wenngleich er nicht immer den direkten Fußballbezug herstellen konnte bzw. wollte, sorgte seine kritische Analyse unter Einbezug verschiedener Abwertungsformen wie Sexismus und Rassismus für viel Gesprächsstoff im Publikum. Die Debatte mit dem Plenum wurde dementsprechend mit viel Leidenschaft geführt. Ein Abend, an dessen Ende zwar keine einhellige Meinung bestand, aber die Leute sich doch einiges zu sagen hatten, fand erst zu später Stunde weit nach Abschluss der Veranstaltung ein Ende.
Nächste Woche geht Tatort Stadion in Bielefeld in die letzte Runde. Zwei mit Spannung erwartete Podiumsdiskussionen bilden hier den Abschluss: Steht am Montag bei einer Kooperationsveranstaltung mit dem Arminia Supporters Club (ASC) und der SPD Bielefeld die Kommerzialisierung im Fußball auf dem Programm, bei der u. a. Wolfgang Brinkmann von Arminia Bielefeld sowie ein Fanvertreter begrüßt werden, wird sich am Donnerstag mit dem Konflikt zwischen Fußballfans und Polizei auseinandergesetzt. Zu Gast sind hier u. a. Andreas Kornfeld von der Polizei Bielefeld und Prof. Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld.
Samstagabend (26.2.) steigt dann ab 21 Uhr die große Abschlussparty im Desperado, zu der natürlich auch wieder alle eingeladen sind.

Aktuelles aus Bielefeld

Am heutigen Abend, dem 17. Februar, geht’s bei Tatort Stadion auf der Alm um „Rechts und reinrassig – Fußball als Magnet der rechten Szene?“. Es gibt Vorträge von Jan Raabe (Argumente und Kultur gegen rechts e.V.) zu Gekicke, Gesang und Gemeinschaft – extrem rechte Erlebniswelt in OWL und von Dieter Bott zu Patriotismus und Nationalismus in der BILD.

Wir werfen außerdem einen Blick zurück auf die bisherigen Veranstaltungen: Am 9. Februar rückte das Thema „Konflikte im Amateurfußball“ mit dem speziellen Blick auf Bielefeld auf die Agenda. Neben Angelika Ribler von der Sportjugend Hessen, Trägerin des Julius-Hirsch-Ehrenpreises des Jahres 2010, konnte das Bielefelder Organisationsteam Prof. Dr. Riza Öztürk (Integrationsbeauftragter des DFB und des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen e. V.) und Tim Neubauer (Schiedsrichterlehrwart des Fußballkreises Bielefeld) begrüßen. Leider waren aufgrund der Terminkollision mit dem Fußballländerspiel Deutschland gegen Italien nur 15 Besucher gekommen, was aber der angenehmen Diskussionsatmosphäre keinen Abbruch tat.

Auf anschauliche Weise konnten die Referentinnen und Referenten die Probleme, die der Amateurfußball mit sich bringt, den Zuhörern nahe bringen und aus verschiedenen Richtungen Problemlösungen aufzeigen. Während Angelika Ribler und Riza Öztürk insbesondere über Möglichkeiten und Erfahrungen der Verbandsarbeit berichteten, brachte Tim Neubauer als Schiedsrichterlehrwart in Bielefeld eine ganz andere Perspektive ein. Angelika Ribler steuerte zudem noch Erkenntnisse aus dem Konfliktmanagement bei, das in Hessen seit vielen Jahren im Fußball Anwendung findet und in ähnlicher Form seit einigen Jahren auch im westfälischen Fußballverband umgesetzt wird.

Das Thema „Homophobie im Fußball“ war Gegenstand der Rahmenveranstaltung am 14. Februar. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Brisanz des Themas wohnten ca. 50 Personen dem abendlichen Programm bei. Eingeleitet durch den 2010 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten Dokumentarfilm „Tabubruch“ kam es im Anschluss zu einer Gesprächsrunde, zu der Ole Wolff vom Fan-Projekt Bielefeld e. V. zwei Mitglieder des schwul-lesbischen Arminia Bielefeld-Fanclubs „Blaue Bengel“ und einen Vertreter eines „normalen“ Fanclubs begrüßte. In einem bunten Gespräch kamen unterschiedliche Themen zur Sprache – so auch die Akzeptanz des Fanclubs in der Szene und erlebte Konfliktlagen. Uneinig war man sich auf dem Podium hinsichtlich des zukünftigen Umgangs mit Homophobie im Fußball, nicht nur im Profibereich: Während ein Teil ein positives Bild zeichnete, äußerte sich der andere Teil wiederum sehr verhalten und erteilte einer positiven Prognose eine Absage. Auch im Nachgang gab es viel Gesprächsbedarf bei den Besuchern, sodass der Abend später bei Bier und Cola noch in informeller Atmosphäre fortgesetzt wurde.

Presseberichte über Tatort Stadion in Bielefeld findet ihr hier .

Tatort Stadion in Bielefeld eröffnet

Am Montag wurde die inzwischen zehnte Station von Tatort Stadion 2 in Bielefeld eröffnet. Der Abend in den Räumlichkeiten der SchücoArena stand ganz im Zeichen des Bielefelder Mottos „Wissenschaft trifft Praxis“. Unter den rund 120 Gästen waren auch der Leiter des Jugendamtes, der Rektor der Universität Bielefeld sowie Mitarbeiter des ersten Bielefelder Fan-Projekts aus den 1980er Jahren. Schon in der Einleitung wurde von Martin Winands vom IKG die Tradition der Wissenschafts-Praxis-Kooperation skizziert. Vor diesem Hintergrund stellte Prof. Dr. Andreas Zick (IKG) die Kooperation mit dem Fan-Projekt Bielefeld e. V. auch z. B. in der universitären Lehre heraus, aus der u. a. eine der Tafeln für die Ausstellung entstanden ist.
Pioniere der Fanarbeit in Bielefeld, wie z. B. Wilfried Lütkemeier, Vize-Präsident des DSC Arminia Bielefeld und Geschäftsführer der von Laer Stiftung, traten als Referenten auf und stellten neben der langen Geschichte der Bielefelder Fanarbeit auch aktuelle Entwicklungen wie die Stadionschule oder die Arminis vor. Lütkemeier wies darauf hin, dass soziale Arbeit mit Fußballfans in Bielefeld schon seit längerer Zeit einen großen Stellenwert hat und sich auch der DSC Arminia seiner sozialen Verantwortung in den letzten Jahren bewusst geworden ist.
Untermauert wurden diese Aussagen auch von Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer (IKG), ebenfalls ein Begleiter der Fanarbeit in Bielefeld der ersten Stunde. Er verschaffte in seinem Vortrag der Ausstellung ein theoretisches Fundament, indem er die Inhalte der Tafeln in das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit eingliederte. Abwertungen und Diskriminierungen dürfen Heitmeyer zufolge nicht unterschätzt werden und spielen nach wie vor eine Rolle. So finden insbesondere im Fußballstadion sanktionsfreie Herabsetzungen bestimmter Gruppen statt. Zur Auseinandersetzung mit dieser Problematik leistet die Ausstellung Tatort Stadion 2 seiner Ansicht nach einen sehr wichtigen Beitrag.
In eine ähnliche Kerbe schlug auch Torsten Schätz, ehrenamtlicher Vorstand des Fan-Projekts Bielefeld. Er forderte zu mehr politischer Bildung auf und hofft, dass diese Ausstellung in der Stadt eine große Wahrnehmung erfahre. Er schlug vor, dass Jugendmannschaften anstelle des Trainings einen Besuch in die Ausstellung unternehmen sollten.
Ferner erinnerte er daran, dass das Bielefelder Fan-Projekt schon immer auf einer Kooperation mit der Wissenschaft basierte.
Der Abend mündete in einer Präsentation eines WDR-Beitrags aus den 1980er Jahren, bei der das erste Bielefelder Fan-Projekt begleitet wurde.
Beim Ausklang mit Sekt und Brötchen wurden viele positive Rückmeldungen an die Veranstalter herangetragen, sodass wir uns alle auf eine gelungene Ausstellung freuen. Bereits heute geht es weiter!
Erste Pressemeldungen gibt es hier.

Eröffnung in Bielefeld

Am kommenden Montag, dem 7. Februar, startet Tatort Stadion 2 in Bielefeld, und zwar um 19 Uhr im ehemaligen VIP-Raum in der Westtribüne der Schüco-Arena. Die Veranstalter vor Ort sind das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld und das Bielefelder Fan-Projekt, die ein tolles Programm auf die Beine gestellt haben.

Die Ausstellung ist vom 7. bis zum 25. Februar montags bis freitags zwischen 14 und 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Zur Eröffnung sprechen Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, außerdem Wilfried Lütkemeier (Arminia Bielefeld) und Torsten Schätz (Vereinsvorstand vom Fan-Projekt Bielefeld). Für BAFF wird Dr. Annika Hoffmann dabei sein.

Mehr Infos zum Gastspiel in Bielefeld gibt es hier.